"Eine Tat wie diese" von Amy Efaw

Eine Tat wie diese 

Autor: Amy Efaw
Verlag: Carlsen
Preis: 12,90€
Seitenanzahl: 416 Seiten
Kaufen? : Eine Tat wie diese 

 Die 15-jährige Devon ist Musterschülerin, verantwortungsbewusst und ein großes Fußballtalent. Doch jetzt sitzt ausgerechnet sie in Untersuchungshaft, angeklagt des Mordversuchs, der Misshandlung und Aussetzung. Denn das Baby, das in einer Mülltonne hinter dem Haus gefunden wurde, ist ihr Kind. Und niemand glaubt Devon, dass sie von der Geburt völlig überrascht wurde und im Affekt gehandelt hat. Eine mühevolle Suche nach der Wahrheit beginnt. Und dabei steht nicht weniger auf dem Spiel, als Devons Zukunft ... 

"Ich habe nichts davon gewusst, das schwöre ich. Ich wusste wirklich nicht, dass ich schwanger bin." "Wann, Devon? Wann wusstest du nicht, dass du schwanger bist?" "Zu keiner Zeit! Nie!"
Das Originalcover
Das Buch fängt damit an, dass Devon alleine und angeblich krank Zuhause auf der Couch unter einer Decke sitzt und ihre Mutter nachhause kommt und von einem Vorfall erzählt, den sie am selbigen Tag mitbekommen hat. In einem Müllcontainer hinter ihrem Wohnhaus wurde ein Neugeborenes in einem Müllsack gefunden. Devons Mutter ist schockiert, doch Devon reagiert nicht darauf. Sie will nicht wirklich reden, nicht einmal, als zwei Polizisten zu ihnen kommen und sie fragen, ob sie irgendetwas über die Tat wissen. Devon weigert sich, auf die Fragen ihrer Mutter zu antworten und als ihre Mutter die Decke wegzieht, ist Devons Jogginghose voll mit Blut.
  Sie wird ins Krankenhaus gebracht und einige Tage später bereits verhört. Kann sie so eine furchtbare Tat wirklich begangen haben? Kann sie wirklich schwanger gewesen sein und ihr eigenes Kind in den Müll geschmissen haben?

Was mich anfangs sehr verwirrte, war, dass man nicht direkt wusste, was Devon fühlt und denkt. Sie wirkte auf mich so verschlossen ... Amy Efaws Schreibstil ist verschlossen. Dem Leser bleibt zunächst Vieles verborgen. Devon behält ihre Gedanken für sich und tut Dinge, die man niemals vorhergesehen hätte. Es war eigentlich undenkbar, dass sie solch eine Straftat begeht, denn Devon ist eine Musterschülerin, spielt Fußball, gibt Nachhilfe, babysittet und, und, und!

Dieses Buch behandelt weniger die Straftat, die Devon begangen haben soll, als das, was danach passiert. Wennn man beschuldigt, verhört wird und vor Gericht kommt.
  Zunächst muss entschieden werden, ob Devons Fall beim Jugendgericht bleibt oder beim allgemeinen Strafgericht behandelt wird. Denn das würde ihre Strafe deutlich verändern. Wo sie beim Jugendgericht höchstens 5 Jahre bekommen kann, sieht es beim Strafgericht schon eher nach lebenslänglich aus.
  Auch wenn Devons Anwältin ihren Job ausgezeichnet macht und Devon nach einiger Kennenlernzeit gut mit auskommt, sieht es trotzdem nicht gut aus.

Dieses Buch berührte mich sehr. Ich fragte mich früher immer, was für eine Psychopathin denn ihr eigenes Neugeborenes so entsorgen könnte, aber Devons Geschichte zeigte mir, dass es auch anders geht. Sie wusste nicht direkt, was sie tat, sie hatte alles vergessen. Im Laufe des Buches erinnert sie sich immer mehr und man erfährt durch kleine Rückblicke, wie alles ablief. Auch vor dem "Vorfall".

Amy Efaw hält ihre Charaktere lebendig und glaubwürdig. Devons Reaktionen sind vollkommen natürlich und verständlich, wenn auch nicht immer vorhersehbar. Efaw behandelt dieses Thema so sanft, und doch merkt man, dass sie weiß, was sie da schreibt. Sie hat eine Ahnung davon und solche Vorfälle haben sie schon immer interessiert.

Devon weiß nicht, wie sie richtig mit den Leuten in ihrem Umfeld umgehen soll. Sie tut, was man ihr sagt, wenn auch zögerlich. Sie fühlt sich schrecklich. Bereut alles, was sie getan hat, denn sie wollte nie jemandem schaden. Sie hatte sich in den letzten neun Monaten von allen abgekapselt, gab niemandem die Chance, ihr zu helfen, verletzte Leute und machte sich nicht die Mühe, all das zu beenden. Man kann sich unglaublich gut in Devons Lage hineinversetzen, besonders wenn man selbst schon einmal so verzweifelt war.
  Man lernt hier, wie so eine Gerichtsverhandlung abläuft - jedenfalls in Amerika -, denn Efaw hat sich gut informiert bei zum Beispiel einem Freund, der Jura studiert hat.

Ich hing bis zum Ende hin an diesen Seiten und wollte mich nicht mehr lösen. Ich wollte wissen, wie es mit Devon weitergeht und dann kam das Ende ...
  Dieses Ende machte mich wütend, traurig und erleichtert zugleich. Wer das Buch liest, wird wissen, was ich meine. Ich kann nur sagen, dass ich noch nie ein Buch gelesen habe, dessen Ende so offen ist. Ich gehe nicht von einer Fortsetzung aus, denn ich wüsste nicht, was in dieser noch groß geschehen sollte. Devons Entscheidung war am Ende des Buches getroffen, auch wenn man  nicht wusste, wie es nun mit ihr weiterging.

Das Cover spiegelte die Handlung sehr gut wieder. Ein Mädchen, das sich selbst ... wie immer sieht. Doch ihr Schatten zeigt, dass sie schwanger ist, auch wenn sie es selbst nicht weiß. Sie will es sich selbst nicht eingestehen. So ähnlich sieht auch das Originalcover aus, nur eben, dass man Babybauch dort nicht im Schatten, sondern im Spiegelbild erkennt.

Fazit: So unglaublich berührend! Amy Efaws Buch "Eine Tat wie diese" hat mich sehr zum Nachdenken angeregt und als ich es zuklappte hatte ich ein schweres, bedrückendes Gefühl im Herzen, das man einfach nicht beschreiben konnte. Lest es! Nur kaltherzige Menschen, die selbst nicht fühlen können, werden dieses Buch nicht mögen! Devon Davenport ist so eine starke Persönlichkeit, die man einfach bewundern MUSS!
Amy Efaw werde ich auf jeden Fall in Erinnerung behalten, denn ich bewundere sie für dieses Meisterwerk.
Als ich es zuschlug, fühlte ich, wie die letzten Worte noch immer meine Gedanken benebelten und ich war mir sicher, dass Devon die richtige Entscheidung getroffen hatte.



 5 von 5 Punkten

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Die Autorin:


Amy Efaw wurde 1967 in Chicago geboren und verbrachte einige Zeit beim Militär. Nach dem sie die West Point Militärakademie absolviert hatte, arbeitete sie als freie Journalistin. Sie hat selbst 5 Kinder - Alix, Anastasia, Ari, Andrew und Kat - und könnte sich niemals vorstellen, eine Tat wie diese zu begehen. Vor "Eine Tat wie diese", schrieb sie bereits zwei Jungendromane geschrieben.

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3 Kommentare:

Leseengels Bücherblog hat gesagt…

Tolle Rezi, du machst mir Lust auf das Buch

Anonym hat gesagt…

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